Machtmissbrauch

MachtmissbrauchAls Machtmissbrauch wird definiert, wenn ein Mensch, der Macht inne hat, diese ausübt, um das Verhalten von dem Bemächtigten zu manipulieren. Das klingt sehr abstrakt und emotional distanziert. Wer einen Machtmissbrauch in seiner Kindheit erlebt hat, weiß dass so ein Machtmissbrauch Spuren hinterlassen kann.

Wie sieht so ein Machtmissbrauch aus?

Eltern haben per se Macht über ihre Kinder. Als Elternteil ist es sehr leicht die eigenen Kinder zu manipulieren und sie zu etwas zu bringen, was sie gar nicht wollen. Dabei geht es auch um solche unleidlichen Dinge, wie Nägel schneiden, oder alleine einschlafen lernen.

Macht hat man als Elternteil.  Wenn man seinem Kind beibringt unliebsame Dinge regelmäßig zu tun, dann ist das nicht direkt ein Machtmissbrauch. Der entsteht erst, wenn der Mächtige einen Lustgewinn draus zieht. Bzw. wenn eine Willkür entsteht, die ein Elternteil ausnutzt, um seine eigene Position zu stärken.

Machtmissbrauch, um die elterliche Position durchzusetzen:

Ich denke das Beispiele hilfreich sind, um zu entdecken, wann genau ein Machtmissbrauch beginnt. Nehmen wir das Beispiel Essen. Kinder haben ihre Eigenarten, was ihnen schmeckt und was nicht. Die Idee ist, sie mit Geduld und mit Verständnis an gesundes Essen heranzuführen. Das wäre der Idealfall. Doch wie ist mit diesem Thema sehr lange umgegangen worden und wie wird es auch heutzutage noch umgesetzt?

Ich kenne genug Geschichten darüber, dass man erst aufstehen darf, wenn der Teller leer gegessen wurde. Wenn ein Kind jedoch eine richtige Abwehrhaltung gegenüber dem kalten Essen entwickelt und die Eltern dem Kind eine Lektion erteilen wollen. Sich also durchsetzten wollen, dann beginnt für mich hier der Machtmissbrauch.  Es ist fraglich, ob eine einmalige Situation einem Kind eine traumatisch relevante Erfahrung liefert, die sich auf das ganze Leben auswirkt. Da gibt es sicherlich Unterschiede.

Wenn sich solche Situationen jedoch häufen, dann wird der Machtmissbrauch deutlicher sichtbar. Wenn sich Eltern den normalen Bedürfnissen eines Kindes verschließen, nur um ihre eigene Sichtweise durchzusetzen, dann entsteht ein regelmäßiger Machtmissbrauch.

Machtmissbrauch als Lustgewinn:

Wenn Eltern Gefallen daran finden ihr Kind vorzuführen, dann wäre das auch ein Machtmissbrauch.  Eltern, die es lustig finden, wenn sie ihr Kind zum Weinen bringen können und dies regelmäßig zur eigenen Unterhaltung tun, dann fällt das in eine missbräuchliche Ecke.  Natürlich muss man auch hier unterscheiden, ob Eltern Humor und den Umgang miteinander, nicht alles zu ernst zu nehmen initialisieren. Wenn so etwas aber regelmäßig im vorsprachlichen Alter passiert, dann ist ein Machtmissbrauch im Gange.

Ursachen für einen Machtmissbrauch:

Man kann sich fragen, warum Eltern oder sagen wir lieber Erwachsene so etwas tun. Nicht immer begehen Bezugspersonen einen Machtmissbrauch absichtlich. Häufig setzen Eltern ihre Macht durch, wenn sie keine Geduld mehr haben, oder erschöpft sind. Kinder können so etwas erkennen. Gut ist es immer, wenn die Eltern auch reflektionsfähig sind, denn dann können sie die Wahrnehmung der eigenen Kinder unterstützen und sich gegebenenfalls auch entschuldigen. Die Prägung der Eltern ist hierbei auch nicht zu unterschätzen. Was man als richtig erlebt hat, gibt man weiter. Wenn man sich also nicht in Frage stellt ist die Möglichkeit missbräuchlich zu werden deutlich erhöht.

Es ist meines Erachtens kein Problem seinem Kind zu sagen „Es tut mir Leid, ich wollte nicht so doof sein, ich hatte einfach keine Geduld mehr“. Kinder verstehen das, sie sind ja selbst oft in Bedrängnis.

Sie sehen, für einen Machtmissbrauch braucht es mehr, als nur eine überfordernde Situation. Es braucht  eine Regelmäßigkeit und es braucht einen Nutzen.  Gerne in Kombination mit schlechter Eigenwahrnehmung.

Wenn Sie diese Kombination erlebt haben, dann macht es sicherlich Sinn, das eigene Handeln einmal prüfend in Frage zu stellen, um zu sehen, was man adaptiert hat und was nicht. Es macht sicherlich Sinn sich hinsichtlich seiner eigenen Umgehensweise mit sich Selbst zu erforschen, um die übernommenen Ansichten von mächtigen Eltern zu identifizieren und diese dann umzuwandeln in einen Umgang, der einem Selbst besser entspricht.

Machtmissbrauch und Sexualisierung:

Oft geht es bei einem sexuellen Missbrauch nicht in erster Linie um Sex, sondern um Macht. Der Lustgewinn eines Täters ist hier nicht nur der körperliche Aspekt, sondern vor allem die Instrumentalisierung ein Kind alles tun zu lassen, was man möchte. Aber dieses Thema ist zu groß, um es in einem kleinen Absatz zu beschreiben. Lesen Sie dazu gerne weitere Blogs auf meiner Seite, die dies ausführlicher Thermatisieren.

Was nimmt man mit ?

Eine emotionale Bindungsstörung könnte ein Resultat einer solchen Prägung sein. Kinder, die einen Machtmissbrauch erlebt haben, sind emotional nicht so stabil. Sie haben Ansichten über sich generiert, die nicht der Wahrheit entsprechen. Meist ist der Selbstwert erniedrigt. Und es haben sich Verhaltensweisen etabliert, die einen irgendwann nicht mehr unterstützen. Vor allem in Beziehungen wird ein erlebter Machtmissbrauch sichtbar. Lesen Sie hierzu gerne Bindung und Beziehung. Ein  ritualisierter Machtmissbrauch kann jedoch die Formen einer klassischen Posttraumatischen Belastungsstörung nach sich ziehen.  Es ist von so vielen Faktoren abhängig wie sich ein Missbrauch im späteren Leben zeigt, dass es sich immer lohnt genauer hinzuschauen.

Meines Erachtens ist eine gute Bindung die beste Prävention einen Missbrauch jedweder Form vorzubeugen. Eine gute Bindung an die Bezugsperson ist der beste Schutz für ein Kind.

Dann ist auch ein Machtmissbrauch nicht mehr möglich.

Herzlich

Christini Hönig