Einsamkeitsgefühle

EinsamkeitsgefühleEinsamkeitsgefühle in Zusammenhang mit Bindungsstörungen in der Kindheit gehören einfach zusammen. Erlebt man in der frühen Kindheit keine ausreichende emotionale Bindung, so etabliert man ein Gefühl der mangelnden Zugehörigkeit. Die spontane menschliche Reaktion geht immer in Richtung Kontakt. Wenn man also etwas erlebt, will man es teilen. Egal, ob es angenehm ist oder nicht. Wer von uns kennt nicht die Klassiker „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ oder „geteilte Freude ist doppelte Freude“. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Ist dieses Grundbedürfnis nicht auseichend befriedigt worden, hat ein Mensch in seinem erwachsenen Leben oft Schwierigkeiten seine Einsamkeitsgefühle zu regulieren.

Emotionale Bindung im Säuglingsalter

Ein Säugling erlebt sehr schnell, ob es angebunden ist oder nicht. Er kann ja noch nicht so viel alleine, das bezieht sich auch auf seine Regulation. Ein Säugling ist angewiesen darauf, reguliert zu werden. Gespiegelt zu werden. Er benötigt zwischenmenschlichen Kontakt, genauso wie sehr wie essen und trinken und schlafen. Bekommt er diesen Kontakt nicht, so erhöht sich sein Stresspegel. Den Stress der Einsamkeit ist für einen Säugling ebenso bedrohlich, wie der Stress, der entsteht, wenn die anderen Grundbedürfnisse nicht gedeckt werden. Starke Einsamkeitsgefühle sind also für Säuglinge bedrohlich.

Bindung im Kleinkindalter

Kleinkinder benötigen die soziale Bindung ebenso sehr. Sie haben mittlerweile ihre basalen Kenntnisse entwickelt und lernen nun sich emotionale wahrzunehmen. Wie fühlt sich traurig an, wie ärgerlich? Wie fühlt sich fröhlich an? Und was macht das alles mit meiner Umgebung? Zuerst lernen Kleinkinder wie die Emotion auf die Umwelt wirkt. Wenn ich also ärgerlich etwas einfordert habe ich manchmal Glück und mein Bedürfnis wird weiter befriedigt. Wenn sie also einen 3-jährigen von seinem Schnuller entwöhnen wollen und ihm keine Ersatzberuhigung zum Nuckeln anbieten, können die Nächte durchaus kurzfristig wieder mal kürzer werden.  Kann er sich dann anders beruhigen kennt er das Gefühl der „Aufregung“ und was man dagegen tun kann. (Kuscheln, z. B. )

Wird einem Kleinkind nun aber die eigene Beruhigung untersagt und der Stress, der im Säuglingsalter begonnen hat geht weiter, so entwickelt das Kind keine Wahrnehmung für „Beruhigung“ und „Entspannung“. Es kann einen grundlegenden Teil seiner Selbstwahrnehmung nicht erleben. Es kann wahrscheinlich auch noch keine Einsamkeitsgefühle nennen, da es diese ja nie anders kennen gelernt hat. Alles was es weiß ist, das irgendetwas nicht stimmt. Dieses Gefühl wird mir später von Erwachsenen häufig geschildert. Als Gefühl der Einsamkeit kann es jedoch oft noch nicht identifiziert werden.

Bindung im jungen Erwachsenenalter

Kommt nun die Pubertät so differenziert sich Gefühl von Gedankengut. Es kommt also zu einer Trennung zwischen Gefühl und Handlung. Also auch wenn ich mich einsam fühle, dann muss ich mich nicht so verhalten. Bzw. Wenn ich eine diffuse Aufregung mit eventueller Orientierungslosigkeit wahrnehme, dann muss ich mich nicht so verhalten, sondern ich kann beginnen gegen zu steuern. Erlebt ein Mensch eine Pubertät, die aus einer schlecht gebundenen Kindheit heraus entsteht, so sind die Regulationen ungleich schwerer, denn das Gefühl der Unsicherheit in der Pubertät wird verstärkt, durch die Kindheitserfahrungen. Wenn dann das Verhalten entgleist bedeutet das nicht zwangsläufig ein schwer erziehbares Kind zu sein. Es bedeutet vor allem, dass die Regulation der eigenen Gefühle überfordernd ist. Und jetzt kommt es häufig zu den ersten Erfahrungen der Ausgrenzung. Hier können oftmals Einsamkeitsgefühle entstehen, die vorher als solche noch nicht benannt werden konnten.

Bis zu diesem Zeitpunkt haben sich jedoch schon allerhand Glaubenssätze gebildet, die die Einsamkeitsgefühle verstärken. Und einen Umgang mit diesen verhindern. Denn bis dahin will man diese blöden Einsamkeitsgefühle einfach nur loswerden.

Einsamkeitsgefühle als Erwachsener

Man fühlt sich meist als der letzte Mensch auf der Welt und gibt sich noch die Schuld daran. Daraufhin kommt oft eine Zeit der Überkompensation. Man will mit allen Mitteln versuchen doch noch zu zeigen, dass man einen Platz auf der Welt verdient hat. Das wird jedoch mit der Zeit zu anstrengend. Denn es ist nicht zu leisten, seine Liebenswürdigkeit an die Beurteilung anderer zu koppeln. Irgendwann erlebt man also wieder Einsamkeitsgefühle. Und kann sie nicht regulieren. Immer noch nicht.

Einsamkeitsgefühle kann man auch nicht regulieren. Man kann sie annehmen und einordnen. Es gilt also herauszufinden, wie man mit seinem Gefühl umgeht, statt das Gefühl einfach weg haben zu wollen.

Und irgendwann gilt es zu lernen, dass Einsamkeitsgefühle zum Leben dazugehören. Genau das zu lernen, was ein sicher gebundener Erwachsene schon ganz früh in seiner Kindheit gelernt hat. Einsamkeitsgefühle zu haben ist nicht ganz so schlimm, es ist nur nicht schön. Schafft man es die Abwehr gegen diese Gefühle loszulassen und die Ursache dieser anzunehmen, so kommt es zu einer tiefen Ruhe. Und so kann die Intensität der Einsamkeitsgefühle abnehmen und die Dominanz der damit verbundenen Lebenseinstellungen in den Hintergrund treten.

Ich hoffe ich konnte Ihnen die Entwicklung intensiver Einsamkeitsgefühle mit diesem Artikel  etwas näher bringen.

Herzlich

Christini Hönig