Weihnachten mit der Familie

Weihnachten mit der FamilieWie gehe ich an Weihnachten mit der Familie um? Das ist eine Frage, die sich dieser Tage oft in meiner Praxis bemerkbar macht. Viele der Menschen mit frühkindlichen Bindungsstörungen haben Schwierigkeiten sich klar für oder gegen Weihnachten zu entscheiden. Denn in ihnen herrscht eine große Ambivalenz. Auf der einen Seite möchten sie gerne einmal friedlich mit ihrer Familie zusammen sein und guten Kontakt zueinander haben. Auf der anderen Seite erfüllt sie der Schmerz einer unerfüllten Sehnsucht und lässt so einen wehmütigen Beigeschmack mitlaufen, der einem schon einmal das Fest versauen kann.

Was macht man nun Weihnachten mit der Familie?

Für alle Beteiligten ist es gut zu wissen, was man eigentlich selber erwartet an Weihnachten. Wie stelle ich mir mein perfektes Weihnachten vor. Ist es ein Weihnachten mit der Familie und alle verstehen sich WIRKLICH. Oder ist es ein zurückgezogenes Weihnachten in Einsamkeit auf einer Schneehütte? Ist es ein Tag wie jeder Andere, weil ich mich nicht in der Lage sehe, die emotionale Überladung auszuhalten? Möchte ich mich sozial engagieren, weil ich merke, dass es Menschen gibt, denen es noch schlechter geht als mir?

Integration der eigenen Gefühle

Sie merken jeder der o. g. Versuche ist die Möglichkeit mit dem Schmerz umzugehen, keine heile Familie zu haben. Und es ist auch zeitgleich eine Möglichkeit diesen Schmerz umzuwandeln in etwas Aktives.  Fakt bleibt jedoch, nur weil Weihnachten ist, wird sich nichts an den eigenen Sehnsüchten nach einem schönen Weihnachten mit der Familie ändern. Und vermutlich wird sich der Schmerz auch nur durch Ausweichmanöver in Grenzen halten, aber fühlbar bleiben. (Umgang mit Gefühlen)

Für Alle gilt es aber auch Ressourcen aufzubauen, um nicht irgendwann in die alteingefahrenen Muster zu verfallen. Und so zu tun, als sei alles ok und bloß nichts mehr zu fühlen. Vor allem sich nicht.

Trauen Sie sich wahrzunehmen, dass nicht alles in Ordnung ist in Ihrer Familie. Und dass es möglich ist, damit zu leben. Eventuell können Sie noch nicht gut damit leben, aber Siezerbrechen auch nicht daran. Wenn die Gefahr zu groß ist vom eignen Schmerz überflutet zu werden, dann ist es sinnvoll sich zu schützen und sich eventuell dem Weihnachten mit der Familie nicht auszusetzen.

Gefühle sind Ressourcen aber kein Handlungsauftrag.

Es ist wichtig wahrzunehmen, dass einen die Tante wie immer mit ihrer rührseligen Art zur Weißglut treibt. Und dass Sie es kaum aushalten, wenn der Onkel zu viel trinkt und weinerlich angekrochen kommt. Schmerzen gehören zur Familie dazu, ganz besonders zu Weihnachten. Wenn Sie also ihren Schmerz gefunden haben, (Sie verbiegen sich immer für alle. Alle anderen haben eine Familie nur Sie nicht. Ihre Mutter denkt schon wieder sie weiß alles besser und sie fühlen sich herabgesetzt…) dann fragen Sie sich doch, was diesen Scherz trösten könnte. Ist es Rückzug oder ein richtig echter guter Kontakt? Oder ist es eine Belohnung für sich selbst, dass man Weihnachten mit der Familie so gut überstanden hat? Vielleicht hilft Ruhe, nach dem ganzen Trubel? Ist es ein Mitternachtsgottesdienst? Oder reicht es wenn Sie sich einfach erlauben vorher oder hinterher ins Kissen zu weinen?  Egal was es ist, sorgen Sie dafür Zugang zu dieser Tröstung zu kriegen. Und nehmen Sie diese dann auch in Anspruch.

Organisatorische Ressourcen

Für die Menschen, die sich aus dem familiären Umfeld nicht frei machen können. Sich aber auch nicht in der Lage sehen Weihnachten ganz mit der Familie zu verbringen rate ich oft eine zeitliche Begrenzung. Es ist schon eine Ressource, wenn man weiß: „Es ist nach dem Essen vorbei“.

In manchen Familien geht es, Traditionen, die einen zu sehr belasten zu verändern. Also das Drei – Gänge Menü erwarten Sie eventuell nur von sich selbst. Und wenn Sie sich trauen nach einer anderen Lösung zu fragen, dann geht das manchmal tatsächlich, alteingefahrene Dinge so zu ändern, dass Sie unter weniger Druck stehen.

Trauen Sie sich vor allem in die aktive Gestaltung Einfluss zu nehmen. Dann kann Weihnachten mit der Familie, ohne die Familie, alleine, mit Freunden, im Obdachlosenheim oder Krankenhaus zu einem Tag werden, der Ihnen einen erfüllenden Moment schenkt.

Frohe Weihnachten!

Herzlich

Christini Hönig